Ich habe eine gute, eine schlechte und eine richtig schlechte Nachricht für dich. Die schlechte ist, dass du sterben wirst. Die richtig schlechte, dass dein Leben streckenweise beschissen sein wird. Die gute jedoch, dass du das Zeug hast, jedes Problem zu überwinden, das dir dein Leben vor die Füße wirft.

Hoffentlich ist gerade dein Bullshit-Alarm losgegangen. Doch lass es mich kurz erklären:

Das ist kein Motivationsgeschwätz. Wir gehen über keine glühenden Kohlen und ich predige dir nicht, dass du alles erreichen kannst, wenn du es dir nur ganz ganz sehr doll wünschst. Das ist gequirlte Scheiße mit Scheiße-Topping und ein bisschen extra Scheiße für einen herzhaften Geschmack.

Wovon ich spreche ist nicht, dass du alles erreichen, sondern alles lernen kannst. Um das etwas leichter zu machen, habe ich 8 idiotensichere Schritte gesammelt, die mir geholfen haben.

Schritt 1: Was ist eigentlich dein scheiß Problem?

Der schwierigste Punkt deiner Reise ist der, bevor du überhaupt losgegangen bist. Du hast keine Ahnung, wohin du willst, geschweige denn, wie du dahin kommen sollst.

Sobald du dir ein Ziel aussuchst, suchst du dir automatisch dazugehörige Probleme. Du willst etwas erreichen, also musst du ein Hindernis überwinden. Wenn du wie die meisten Menschen bist, hast du dir vermutlich beschissene Ziele und somit beschissene Probleme ausgesucht.

Was die meisten Menschen wollen: Reichtum, Karriere, Ruhm, Macht, Anerkennung. Am besten alles gleichzeitig.

Alles Dinge, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen, weil ihr Erreichen von anderen abhängig ist. Der schnellste Weg in die persönliche Hölle.

Wenn du keine Lust hast durchzudrehen, brauchst du dringend bessere Probleme.1

Ein paar Vorschläge: ein besserer Partner werden, Menschen helfen, 120 Katzen adoptieren, einen Marathon laufen, selbstbewusster werden.

Du brauchst Ziele, die dich nicht zum Sklaven anderer machen.

Schritt 2: Die Initialzündung

Ich mach dir Nichts vor. “Gute Probleme” klingen nett, bleiben aber Probleme. Sie werden dich verfolgen, du wirst an ihnen scheitern und oft braucht es ein ganzes Leben, um sie zu überwinden. Spaß ist etwas Anderes.

Ständiger Kampf ist nicht deine einzige Option. Es gibt auch einen wesentlich leichteren Weg. Aufgeben.

Das ist kein Zynismus. Du musst deine Probleme nicht überwinden. Du kannst dir stattdessen auch einreden, dass du zu dumm, zu unfähig, zu dick, zu klein, zu sehr wie du und zu wenig wie die Anderen bist.

Selbstmitleid steht dir immer offen. Du kannst dich auskotzen, rumschreien und wenn du ein wenig verrückt bist, sogar einen Teller an die Wand werfen. Etliche Menschen handhaben ihre Probleme wie Kinder. Wieso sollte dir das also verwehrt bleiben?

Es gibt einen Grund, wieso ich dir von diesem einfachen Weg abrate.

Henry David Thoreau zog 1845 in den Wald, weil er Angst hatte eines Tages zu sterben und nicht gelebt zu haben.2 Exakt aus diesem Grund, solltest du deine Probleme angreifen, selbst wenn du glauben solltest, dass du niemals gewinnen kannst. Aufgeben bedeutet nämlich, dass du womöglich am Ende erkennen musst, dass du nie gelebt hast.

DUDE! WAS IST MIT DEINEM BART?

Mach aus deinem “Ich kann das nicht” ein “Ich weiß nicht wie.

Jetzt bist du bereit zu lernen.

Schritt 3: Finde (d)ein Vorbild

Vor dir lebten ca. 108 Milliarden Menschen (!) auf diesem Planeten. Egal was für Probleme du hast, vor dir gab es jemanden, der exakt die Gleichen hatte. Unsere Sorgen und Nöte fühlen sich zwar besonders an, sind aber meist erschreckend gewöhnlich.

Diese Wahrheit ist schwer zu schlucken, weil sie uns unseren Status als “etwas Besonderes” raubt. Im Gegenzug schenkt sie uns aber auch Etwas: Die Möglichkeit, von einem Vorbild zu lernen.

Wenn es vor dir Menschen gab, die den gleichen Kampf kämpften, dann haben sie vielleicht ihr Wissen weitergegeben. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit existiert die Antwort auf: “Wie kann ich mein Problem überwinden?”, bereits. Alles was du tun musst, ist sie zu finden.

Suche nach Büchern, Interviews, Artikeln, Autobiografien von oder über Personen mit deinen Problemen. Ab sofort werden sie deine Lehrer und du wirst wieder zum Schüler.

Marcus Aurelius – Gutes Vorbild

Frage dich bei allem, was du aufnimmst, ob dein Vorbild gerade sein Wissen mit dir teilt.

Tut er oder sie das nicht, dann frage dich, ob du hinter ihre Fassade schauen und durch Beobachtung lernen kannst.

Falls nicht, vergiss dieses Vorbild und such dir ein neues. Du hast keine Zeit einem Schwätzer zuzuhören. Du hast ein Problem zu überwinden.

Tipp: Es ist wichtig zum Schüler zu werden, aber Recherche und Lernen kann auch eine Form der Prokrastination werden. Faustregel: Wenn du handeln kannst, dann handle. Wenn nicht, dann lerne.

Schritt 4: Zerlege den Weg

Die wenigsten Vorbilder werden dir Wort für Wort sagen, wie sie ihre Probleme überwunden haben. Dir bleibt also nur übrig, durch Beobachtung zu lernen. Dazu musst du ihren Prozess zerlegen.

Anders: Frage dich nie, was eine Person erreicht oder verändert hat, sondern immer, wie sie es getan hat.

Angenommen, du beginnst zu schreiben und willst ein besserer Autor werden. Würdest du jetzt darauf schauen, was Autoren wie Stephen King heute tun, wäre das Zeitverschwendung. Sie haben dein aktuelles Problem längst überwunden (und gegen neue Probleme getauscht). Wenn du wirklich von ihnen lernen willst, musst du in die Vergangenheit reisen und schauen, was sie auf ihrem bisherigen Weg getan haben.

Du musst ihren Weg in einzelne Schritte zerlegen und schauen, welche davon zu dir passen. 

Manche Vorbilder sagen dir, dass sie immer nur sie selbst waren und das getan haben, worauf sie Lust hatten. Hör nicht auf diesen Unsinn. Sie haben ihren eigenen Weg nicht verstanden und mehr Glück als Verstand. Schau hinter ihr Gerede.3

Schritt 5: Baby Steps

Wenn du die Schritte siehst, hast du die Antwort darauf gefunden, wie du dein Problem überwinden kannst. Jetzt musst du diese Theorie nur noch in die Praxis umsetzen.

Fortschritt

Der beste Weg einen Marathon zu rennen, ist einen Schritt nach dem anderen zu tun und erst dann aufzuhören, wenn du am Ziel angekommen bist. Genauso ist es mit deinen Hindernissen im Leben. Behalte das große Ganze immer im Blick, fokussiere dich aber immer auf die Baby Steps.

Schritt 6: Finde Hacks

Mittlerweile sind Lifehacks nichts anderes als Clickbait-Artikel mit dem Titel “Dieser seltsame Trick hilft dir 15 kg Bauchfett in 3 Wochen zu verlieren!

Sie sagen dir, was du hören willst. Hilft zwar nicht, bringt aber wenigstens ein gutes Gefühl.

Dabei ist die Grundidee eines Lifehack ziemlich smart: Du suchst nach einer Stärke und nutzt sie, um deine Schwäche auszugleichen. Der einzige Weg, wie du etwas lernen kannst, selbst wenn du keinen Funken Talent dafür besitzt.

Ein Beispiel:

Als Student unterrichtete ich ein Tutorium für Mikroökonomie, dem ersten Zwischenboss in einem BWL-Studium. Das Ziel meiner Studenten war ein Abschluss, ihr Problem, dass sie keinen Schimmer hatten, wie sie eine Prüfung bestehen sollten, an der jedes Jahr 70% scheiterten.

Obwohl die meisten dachten, dass sie zu dumm für das Fach waren, war es vielmehr so, dass ihnen das notwendige mathematische Talent fehlte. Jedes Jahr scheiterten Studenten, weil sie in den Kampf zogen und ihre einzige Waffe ihre Schwäche war.

Deshalb riet ich ihnen, ihre Stärke zu nutzen.

Weißt du, was die Stärke eines jeden BWL-Studenten ist?

Er besitzt mehr Ehrgeiz als Verstand und kann alles auswendig lernen. 

Alles.

Also zerlegte ich meine Lösungswege und gab ihnen portionierte Schritte, die sie nur noch in ihren verzweifelten Schädel prügeln mussten. Sie verstanden nicht, was an der Tafel abging, aber sie lernten, wie sie es 1:1 kopieren konnten.

Mein “Lifehack” war keine einfache Antwort. Alles was sie taten, war ihre Stärke zu nutzen, um ihr Problem mit purer Willenskraft aus dem Weg zu schieben.Von meinen 140 Studenten fielen weniger durch als im Jahrgangsdurchschnitt. Akademisch fragwürdig, lebenstechnisch äußerst effektiv.

Schritt 7: Rückschläge wegstecken

Jetzt kommt der unangenehme Teil, über den selten gesprochen wird: Der Mittelteil deiner Reise ist langweilig, nervig und unsexy. Doch du musst auf deinem Weg bleiben. Egal was kommt.

Veränderung ist kein Kindergeburtstag. Du bist dabei neue Gewohnheiten in dein Leben zu holen und alte Verhaltensmuster zu begraben. Gleichzeitig musst du noch arbeiten gehen, Miete zahlen und jeden Tag  2 Liter Wasser trinken. Das kann nicht immer klappen.

Rückschläge sind unvermeidbar. Doch wer zurückfallen kann, der muss irgendwann vorwärts gegangen sein. Egal was passiert, konzentriere dich auf deine Baby Steps und halte dir immer vor Augen, dass dein einziges Problem ist, dass du noch nicht weißt wie.

Schritt 8: Hol dir Feedback

Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen sind wichtig, reichen aber selten aus. Ein Problem zu überwinden ist wie mit dem Kopf durch die Wand zu krachen. Wenn du das tust, solltest du dir immer sicher sein, dass du die richtige Wand erwischst.

Du selbst bist kein guter Indikator dafür, ob das, was du gerade tust, sinnvoll ist. Dein Verstand ist viel zu sehr damit beschäftigt, ein positives Selbstbild aufrecht zu erhalten. Zur Not wird er dich dafür auch anlügen. Du brauchst also jemanden, dem dein Selbstbild egal ist.

Hol dir Feedback von Menschen die dir wichtig sind von denen, die dir egal sind. Ihr Worte helfen dir, Abstand zu deinem Leben zu gewinnen und Probleme mit mehr Abstand zu betrachten.

Du hast nichts zu verlieren

Diese 8 Schritte sind idiotensicher, helfen dir aber nicht, wenn du beschlossen hast, dass du zu dumm für deine Probleme bist.

Wenn du so denkst, dann stelle dir nur eine Frage:

Was hast du zu verlieren, wenn du es trotzdem versuchst?

Ein Monat reicht vollkommen aus. Nutze deine Zeit, um sie in eine Lösung zu stecken. Mach dir einen Plan und bleib dran. Nach 30 Tagen kannst du anhalten und schauen, ob du noch am gleichen Punkt wie am Anfang stehst. Vermutlich nicht.

Würdest du einen Monat riskieren, um dein Leben zu verändern?

Du hast nichts zu verlieren.


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  1. Wie du bessere Probleme findest, erfährst du in Mark Manson – The Subtle Art of not giving a Fuck.
  2. Thoreau schreibt über diese Zeit in seinem Hauptwerk Walden. Klare Empfehlung.
  3. Man selbst zu sein, ist nichts schlimmes. Das Problem ist, dass du von solchen Menschen schwer lernen kannst, weil sie sich nie großartig Gedanken über ihre Entwicklung machen mussten.