Verzweifelt sitzt du in einem Theaterstück. Hilflos musst du mit ansehen, wie sich die große Liebesgeschichte vor deinen Augen in eine hässliche Tragödie verwandelt. Jemand im Publikum buht. Nicht weiter schlimm, würdest du nicht in der Regie sitzen und gerade das Stück deines Lebens inszenieren.

Wie die etlichen Male zuvor tauschst du den Partner deiner Hauptfigur aus. Doch es will wieder nicht helfen. Es passt nicht. Das Stück hat sich verändert, trotzdem ist der Plot beschissen geblieben. Alles was du wolltest, war ein Beziehungsleben, alles was du geschaffen hast, ist eine Aneinanderreihung grässlicher On-Off-Geschichten. Die ersten Zuschauer verlassen kopfschüttelnd den Saal.

Wieder holst du einen neuen Darsteller in das Leben deiner Hauptfigur. Dieses Mal wird es anders. Du spürst es. Es wird ein gottverdammtes Happy End geben.

Es endet, wie es immer endet.

Das Herz deiner Hauptfigur wird gebrochen. Sie schickt verheulte Sprachnachrichten an ihre Freunde, stopft sich mit Ben & Jerry’s voll und schaut Grey’s Anatomy bis sie vor Erschöpfung auf der Bühne einschläft.

Es ist so traurig, dass es unfreiwillig komisch wird.

Mit der Zeit hast  du herausgefunden, wieso es nicht klappen will. Die Partner für deine Hauptfigur sind schlicht und ergreifend katastrophal. Sie sind notorisch untreu, emotional unerreichbar, cholerisch, kontrollsüchtig und im schlimmsten Fall alles gleichzeitig. Doch was sollst du tun? All die anderen Darsteller sind sterbenslangweilig. Vielleicht bedeuten deine Partner Unglück, dafür haben sie das gewisse Etwas.

Den Preis muss deine Hauptfigur zahlen. Verloren steht sie auf der Bühne und fragt sich:

„Wieso verliebe ich mich ständig in die Falschen?“


Von Kindern und anderen Idioten

Falls du dich in der Hauptfigur wiedererkennst, dann gibt es zwei Antworten auf deine Frage:

1.  Weil du es nicht besser weißt.

Wenn du jung bist, dann ist es normal sich in die Falschen zu verlieben. Jeder tut das. Wir alle sind irgendwann einmal emotionale Kleinkinder, die langsam Laufen lernen. Ohne Stürzen und Schürfwunden kommt niemand davon.

Es gibt noch eine zweite Antwort. Die ist ein wenig härter.

2. Weil du ein Idiot bist.

Das ist weniger beleidigend gemeint als es klingt.

Lass es mich erklären:

Du bist kein Idiot, weil du dich in die Falschen verliebst. Du bist ein Idiot, weil du glaubst, dass du dagegen nichts unternehmen könntest. Statt zu begreifen, dass du Protagonist und Regisseur in einem bist, findest du dich mit der Rolle ab, die man dir gegeben hat. 

Sicherlich fühlst du dich jetzt mehr oder weniger angegriffen. Wieso erlaube ich es mir, dich einen Idioten zu nennen und dir die Schuld an deiner Lage zu geben? Dazu noch das Gefasel von Protagonisten und Regisseuren. Es ist ja nicht so, dass du dir aussuchen könntest, zu wem du dich hingezogen fühlst. Ist halt Biologie und so. Steckste nicht drin.

Sex mit den Eltern oder „In wen wir uns verlieben“

Anziehung ist wie Magie. Plötzlich ist da etwas, was vorher nicht war. Winter wird zu Sommer und all die kitschigen Liebeslieder lösen plötzlich keinen Kotzreiz mehr aus. Du hast dich verliebt und deine Gedanken kreisen nur noch um diesen einen Menschen.

Du bist zu verwirrt und zu gut gelaunt, um zu hinterfragen, woher all diese Gefühle kommen. Es muss wohl außerhalb des menschlichen Verstandes liegen. So wie Zauberei. Oder Gott. Oder Differentialgleichungen dritter Ordnung.

Ich muss dich enttäuschen. Du und Ich, wir sind Muggel und wir verlieben uns, wie sich alle anderen Muggel auch verlieben. Bevor ich dir dieses Geheimnis aber verrate, will ich dich warnen. Die Antwort ist befremdlich. Willst du sie trotzdem hören?

Sicher?

Anziehung, Verliebtsein und Liebe sind eine Weiterentwicklung der Gefühle und Bindungen, die wir als Kleinkinder zu unseren Eltern geknüpft haben.

Urgs.

Sigmund Freud würde bei diesem Satz vor Erregung zittern, doch ich kann dich beruhigen. Niemand will insgeheim seine Mutter flachlegen, oder seinen Vater heiraten.

Who’s your daddy?

Die frühe Beziehung zu deinen Eltern ist mehr eine Art Anleitung. Ein Wörterbuch, welches das Verhalten potentieller Partner für dich übersetzt. Ist sein/ihr Verhalten so wie das Verhalten deiner Eltern damals? Löst er/sie in dir Gefühle aus, die du von damals kennst? Falls ja, scheint er/sie ein potentieller Partner zu sein. Du fühlst dich zu ihm/ihr hingezogen.1

Vermutlich verstört dich der Zusammenhang zwischen deinen Eltern und deinem Sexleben ein wenig. Vollkommen normal. Doch diese Erklärung zeigt etwas interessantes:

Anziehung ist keine Magie. Sie ist eine erlernte Gewohnheit, deren Ursprung in der Beziehung zu unseren Eltern liegt.

Dieses Prinzip zeigt dir nicht nur, wieso du dich ständig in die Falschen verliebst, sondern auch, wie du das ändern kannst.

Wieso wir uns in die Falschen verlieben

Psychologen haben beobachtet, dass die Art der Eltern-Kind-Beziehung ein guter Indikator für das zukünftige Beziehungsleben des Kindes ist. Kinder mit sicherer Bindung zu ihren Eltern, führten in ihren Zwanzigern sichere und stabile Beziehungen. Kinder ohne diese sichere Bindung taten dies hingegen weitaus weniger.2

Die Anziehung zu schwierigen Persönlichkeiten ist also nicht deine Schuld. Vielmehr ist deine Anleitung scheiße.

Zwei Beispiele:

Frau

Ein junges Mädchen wächst mit einem emotional abwesendem Vater auf. Ihr ganzes Leben buhlt sie um seine Aufmerksamkeit. Vergeblich. In der Pubertät gibt sie auf und sucht sich die Aufmerksamkeit woanders. Zuvorkommende Männer sind für sie langweilig. Sie sucht sich Männer, die ebenso emotional abwesend sind, wie ihr Vater es war.

Sie kann es nicht erklären, aber es muss wohl daran liegen, dass diese Männer stark und unabhängig wirken.

Mann

Ein kleiner Junge wird ständig von seiner Mutter umsorgt. Mit zunehmenden Alter wird ihm das unangenehm und er löst sich von ihr. Als erwachsener Mann fühlt er sich zu übervorsorglichen Frauen hingezogen. Diese bemuttern ihn nicht nur, sondern kontrollieren auch sein Leben.

Er kann es nicht erklären, aber es muss wohl daran liegen, dass diese Frauen ihm ein Gefühl der Sicherheit geben.

Ich habe tief in die Klischee-Kiste gegriffen. Doch sind diese Beispiele lebensfremd? Hast du noch nie jemanden kennengelernt, auf den diese Beschreibungen passen?

Klischees fallen nicht vom Himmel. In ihnen steckt mehr Wahrheit, als wir oft wollen.

Jetzt zur Eine-Million-Euro-Frage:

Sind deine Eltern Schuld, dass du dich nur zu Idioten hingezogen fühlst?

Jein.

Deine ersten Erfahrungen im Leben sind richtungsweisend. Doch nur weil du als Kind einen Kaktus bekommen hast, musst du ihn nicht regelmäßig gießen.

Sich in die Falschen zu verlieben, ist ein Verhaltensmuster. Eine schlechte Gewohnheit. Wie rauchen oder in der Öffentlichkeit furzen. Jemand hat es dir beigebracht, aber niemand zwingt dich, es ständig zu wiederholen.

Es gibt noch eine zweite Erklärung. Vielleicht haben deine Eltern alles richtig gemacht, dein Beziehungsleben ist aber dennoch ein Trainwreck. Dann hast du eine gute Anleitung mitbekommen, sie aber auf dem Weg falsch fortgeführt.

Jede Begegnung beeinflusst, wie wir unsere zukünftigen Beziehungen verstehen. Eine furchtbare Erfahrung in der Jugend kann sich im schlimmsten Fall bis in dein Leben als Erwachsener strecken.

Es wird dir helfen, wenn du herausfindest, woher deine problematische Anleitung kommt. Wer waren die Menschen, die dir gezeigt haben, zu wem du dich heute hingezogen fühlst?

Du sollst keine emotionale Vendetta starten. Auch keine wütenden Telefonanrufe tätigen. Die Erkenntnis soll dir lediglich helfen zu verstehen, dass es eine rationale Erklärung dafür gibt, wieso du nur auf Vollidioten stehst.

Versteh deine Vergangenheit und deine Zukunft gehört dir. 

Was du tun kannst

Wenn die Anziehung zu Arschlöchern eine Gewohnheit ist, dann kannst du sie ändern. Das wird nicht einfach, doch Martin Seligman hat es treffend formuliert:

Veränderung ist die Regel, nicht die Ausnahme. 3

Erkenne zuerst dein Problem. Du denkst, es sei, dass du dich immer in die Falschen verliebst. Schwachsinn.

Dein Problem ist nicht, dass du es tust, sondern, dass du glaubst, dazu verdammt zu sein. Du begreifst nicht, dass du nicht nur in deinem Stück mitspielst, sondern es auch inszenierst.

Dieser Glaube steckt tief in dir. Er hindert dich, etwas zu verändern. Werde ihn los.

Folgender Vorschlag: Bislang hast du dich an Menschen gehangen, die dir nicht gut getan haben. Lass das in Zukunft sein. Gib stattdessen Menschen eine Chance, von denen du glaubst, dass sie gut für dich wären. Menschen die du bisher hast abblitzen lassen, weil sie zu langweilig, zu schwierig, zu irgendetwas waren.

Lars Amend beschreibt in Why Not? wie das praktisch aussehen kann.

Eine Klientin fühlt sich nur zu Arschlöchern hingezogen und blockt offensichtlich gute Männer ab. Der Grund: Sie wirken sterbenslangweilig.

Sie bekommt eine Aufgabe. Sie muss jedem Mann, der gut (und langweilig) wirkt, drei Chancen geben. Drei Dates. Ohne Zynismus und unvoreingenommen. Das war’s.

Es geht nicht darum, dass du deine Ansprüche runterschraubst, sondern mit alten Mustern brichst. Die Frau aus Why Not? lernte einige Zeit später einen Mann kennen, dem sie diese Chancen gab. Drei Jahre später waren sie immer noch ein Paar.

Wieso das funktioniert

Mehr nicht?

Ich mache dir nichts vor. Der obige Ansatz ist kein Wundermittel. Er wird dein Beziehungsleben nicht über Nacht umkrempeln. Du willst 20 Jahre falsche Verhaltensmuster durchbrechen. Was erwartest du?

Vermutlich zweifelst du. Wieso sollte das funktionieren?

Dein Verstand hat eine vollkommen falsche Vorstellung darüber, was Menschen zu guten Partnern macht. Das musst du ändern und dazu reicht purer Wille nicht aus. Du musst Persönlichkeiten in dein Leben lassen, mit denen du positive Erfahrungen machen kannst. Dein Verstand muss lernen und spüren, zu welchen Menschen er sich in Zukunft hingezogen fühlen sollte.

Du gewöhnst dir Junk Food ab, indem du lernst, wie gut Obst schmeckt.

Anfänglich ist das hart. Mit der Zeit wird es einfacher. Schmeiß deinen verdammten Kaktus weg und schau, ob nicht eine Blume wachsen kann, wo du gießen wirst. All die langweilige Typen und Frauen werden schneller interessant als du glaubst. Die Anziehung wird folgen.

Ein guter Rat zum Schluss

Egal ob du 18  oder 38 bist. Ob du einen Penis oder eine Vagina hast. Ob du auf Männer, Frauen, oder Bilder von Zügen stehst. Die Idee in diesem Artikel kann dir helfen, wenn du dich in die Falschen verliebst und damit immer scheiterst. Doch ich will dir einen gut gemeinten Rat geben:

Wenn du jung bist, dann mach dich nicht verrückt. Es ist normal, dass deine Beziehungen oft explodieren. Kein Grund, dir einen Vorwurf zu machen. Es könnte wesentlich schlimmer sein.

Schau dir Romeo und Julia an. Beide unter 20 und ihre Beziehung endete nicht nur mit ihrem Tod, sondern auch mit dem von Tybalt und Mercutio. Deine emotionalen Fehltritte sind vermutlich weniger verheerend.

Teenager verlieben sich. Alle sterben. BESTE. LIEBESGESCHICHTE. EVER.

Erst wenn du älter wirst und dich das Gefühl beschleicht, dass dein Männer/Frauengeschmack ein Problem ist, hast du vermutlich auch ein Problem.

In deinem Stück bist du nicht nur Protagonist, du sitzt auch auf dem Stuhl des Regisseurs.

Du kannst nicht kontrollieren, in wen du dich morgen verlieben wirst.

Du kannst aber kontrollieren, in wen du dich nächstes Jahr verlieben wirst.

Was hast du zu verlieren?

Nichts.


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  1. Timothy Wilson – Redirect 
  2. Ebenfalls Timothy Wilson – Redirect 
  3. Martin Seligman – What you can change