Faustregel: Wenn du denkst, dass du langweilig bist, dann bist du es auch.

Die Ursache dafür ist, dass deine Angst eine selbsterfüllende Prophezeiung ist, die dich lähmt, deine Sicht vernebelt und ständig Scheiße labert.

Du gehst auf Partys und könntest neue Menschen kennenlernen. Stattdessen popelst du das Etikett deiner Bierflasche ab.

Du könntest Spaß haben und interessante Gespräche führen. Stattdessen versteckst du dich in einer Ecke und checkst ununterbrochen dein Telefon, weil es dir ein vages Gefühl von Sicherheit gibt.

Du könntest etwas erleben. Stattdessen erfindest du 1 Uhr eine Ausrede, damit du dich Zuhause in Ruhe über dich selbst ärgern kannst.

Wenn dir das bekannt vorkommt, dann habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die Gute: Kein Mensch ist langweilig. Auch du nicht.

Die Schlechte: Trotzdem langweilst du andere.

Langweilige Menschen sind nicht wirklich langweilig. Sie haben lediglich Angst davor, sie selbst zu sein und benehmen sich wie ein Essen in der Mensa. Angepasst an den Geschmack Vieler, ohne Gewürze, ohne Liebe und immer darauf bedacht, niemanden zu verärgern.

Keinen schlechten Eindruck zu hinterlassen, ist jedoch nicht das Gleiche, wie einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Das lässt sich ändern.

Was ist Langeweile

Welche Menschen wir langweilig finden, ist eng mit dem allgemeinen Gefühl von Langeweile verknüpft.

Das Gefühl von Langeweile entsteht, wenn wir ein hohes Energielevel besitzen, aber keine Möglichkeit finden, dieses abzubauen. Entweder, weil uns ein Kanal fehlt, oder unsere Umgebung es uns schwer macht, uns richtig zu konzentrieren.

Stell dir vor, du liegst an einem warmen Sonntagnachmittag auf der Couch. Das Fenster ist offen. Die Sonne küsst dein Gesicht. Du liest ein gutes Buch und in der Ferne zwitschern Vögel. 

Fühlst du dich gelangweilt, oder entspannt?

Jetzt stell dir vor, dass du auf einem brettharten Stuhl im Wartebereich eines Flughafens hockst. Dein Flieger hat 3 Stunden Verspätung. Du versuchst ein Buch zu lesen, doch es fällt dir schwer. Kinder quengeln. Eltern schreien. Ein Cheeseburger bei Burger King kostet 10 Euro. Neben dir liegt ein Mann auf dem Boden und schnarcht.

Fühlst du dich gelangweilt, oder entspannt?

Beide Szenarien sind sich nicht unähnlich, dennoch lassen sie dich verschiedene Dinge fühlen. Der Unterschied ist, dass du am Flughafen unter einem hohen Energielevel (Aufregung vor dem Urlaub) leidest, ohne Möglichkeit, dieses abzubauen. Gleichzeitig raubt dir die Umgebung jegliche Konzentrationsfähigkeit (Stress durch Eindrücke).

Das Ergebnis: Du langweilst dich.1

Es gibt noch eine weitere Form der Langeweile. Sie tritt speziell in sozialen Situationen auf und heißt:

Desinteresse.

Wir alle sind soziale Wesen, gleichzeitig aber auch äußerst wählerisch, wem wir unsere Zeit schenken. Oft fangen wir erst an, Interesse für einen Menschen zu entwickeln, wenn wir das Gefühl bekommen, dass er uns bereichert.

Jeder hat individuelle Kriterien, ab wann er einen Menschen für eine Bereicherung hält. In der Regel drehen diese sich aber um zwei grundlegende menschliche Bedürfnisse:

  1. Das Bedürfnis nach Anerkennung (Bestätigung)
  2. Das Bedürfnis nach Unterhaltung (Ablenkung)

Werden diese nicht erfüllt, verlieren wir das Interesse.

Das Ergebnis: Wir langweilen uns.

Die zwei Probleme langweiliger Menschen

Wenn du Menschen langweilst, liegt es nicht daran, dass du ein Langweiler bist. Dir fehlt lediglich das Gespür dafür, wie Menschen ticken.

Anders: Du bist kein Idiot, du benimmst dich nur wie einer.

Egal ob Party, After Work-Treffen oder WG-Feier. Soziale Ereignisse unterschieden sich kaum von Flughäfen. Viele Eindrücke, hohes Energielevel, Stress und immer wieder liegt ein Typ auf dem Boden und schnarcht

Langweilige Menschen verkacken in solchen Situation durch die Art, wie sie erzählen, und auch mit dem, was sie erzählen.

Das „Wie“ entscheidet, ob wir das Energielevel unseres Gegenübers treffen und ob wir seine Konzentrationsfähigkeit über- oder unterfordern.

Das „Was“ entscheidet, ob wir unseren Gegenüber unterhalten und ihm die notwendige Bestätigung entgegenbringen.

Beide Aspekte sind essenziell, dennoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein gutes „Wie“ ein schlechtes „Was“ jederzeit ausgleichen kann. Im Prinzip kannst du mit ein paar Kniffen jede 08/15-Geschichte aufhübschen und  unterhalten. Umgekehrt ist das schwieriger.

Egal in welchem Bereich deine Unzulänglichkeiten liegen. Es sind lediglich schlechte Angewohnheiten und diese lassen sich leichter ändern als du glaubst.

Die Lösung

„Aber Marcel, wen interessiert dieses Gequatsche. Gib mir einfach ein paar Tricks, damit die Leute aufhören, mich für einen Freak zu halten!“

Okay.

Alles eine Frage der Einstellung: Das innere Problem des Langweilers

Fangen wir mit deiner Einstellung an.

Verlasse deine Komfortzone

Alle Langweiler teilen eine Gemeinsamkeit. Sie lieben ihrer Komfortzone. Willst du weniger langweilig sein, musst du diese verlassen.

Wer regelmäßig Neues erlebt, hat nicht nur ein stärkeres Selbstbewusstsein, sondern auch immer Geschichten zur Hand, die er in Gespräche einbringen kann. Weiterhin erweitern neue Erfahrungen deinen Horizont, was es dir leichter machen wird, emotionale Verbindungen aufzubauen.

Ich spreche nicht davon, dass du um die Welt reisen musst, oder jedes Wochenende die „Unrasiert & Willig“-Party im Swinger Club besuchen solltest. Es geht um die kleinen Dinge des Lebens. Was hindert dich daran, ein neues Hobby auszuprobieren, oder am Wochenende spontan in eine andere Stadt zu verreisen?

Deine Antwort lautet vermutlich:

„Ich habe keine Zeit, kein Geld und außerdem bin ich am Wochenende immer erschöpft.“

Lass mich das kurz übersetzen:

„Ich bin faul, habe Angst und außerdem noch 5 Staffeln Grey’s Anatomy vor mir. Wer braucht schon Menschen, ich habe Tiefkühlpizzen und die waren immer für mich da.“

Wir alle lieben die Sicherheit, die uns unser Alltag gibt. Gleichzeitig finden wir unseren Alltag aber auch ein Stück weit zum kotzen. Wer hätte nicht gern mehr Aufregung, mehr Sex, mehr Glitzer und mehr von bescheuerten Sachen, die bunt leuchten?

In sozialen Interaktionen suchen wir nach Dingen, die uns aus unserem Trott herausreißen. Die Konfrontation mit dem schnöden Alltag anderer ist eine schmerzliche Erinnerung an all das, was uns selbst fehlt. Niemand will das hören und deshalb fühlen wir uns unterwältigt, desinteressiert und gelangweilt.

Lass deinen Pessimismus Zuhause

Die wenigsten Pessimisten können etwas für ihre Sicht der Dinge. Ebenso wenig können andere etwas dafür. Die Welt ist ein schrecklicher Ort, das ist jedoch keine Ausrede dafür, Menschen mit deiner eigenen Negativität zu belasten. Lass deinen Pessimismus also einfach Zuhause.

Ob du das Leben positiv oder negativ siehst, ist egal. Du wirst immer recht haben.

Arbeite an deiner Einstellung zu Small Talk

Ich hasse Small Talk. Du hasst Small Talk. Verdammt, jeder vernünftige Mensch hasst Small Talk.

Und doch ist er wichtig. Er ist eine soziale Notwendigkeit, die Menschen erlaubt, sich in geregelten (sicheren) Bahnen kennenzulernen.

Ich bin der Meinung, dass du in den meisten sozialen Situationen den Small Talk-Teil überspringen kannst, aber nur dann, wenn du deine Vorbehalte hinter dir lässt. Tust du das nicht, wirst du immer ein wenig unausstehlich wirken, falls dein Gegenüber versucht Small Talk mit dir zu führen.

Der Hass auf Small Talk entsteht aus einer gewissen Arroganz gegenüber sozialen Gepflogenheiten. Du glaubst, über den Dingen zu stehen und zu gut, zu intelligent und zu tiefgründig für das oberflächliche Geschnatter des einfachen Volkes zu sein. Was du aber eigentlich denkst, ist, dass du nicht gut genug bist, weshalb du die sicherste Bank suchst, die du finden kannst: Kategorische Ablehnung.

Hör auf dich zu benehmen, wie du dich benimmst und sei endlich du selbst

Wer Angst vor Ablehnung hat, neigt dazu, sich zu verstellen.

Schlechte Idee.

Menschen haben ein recht gutes Gespür dafür, ob wir authentisch sind oder nicht. Das heißt nicht, dass du sie nie täuschen kannst, nur, dass das ein ziemlich energieraubender Prozess ist, der sich selten auszahlt.

Du kannst viel Zeit darin investieren, besonders witzig oder charmant zu wirken. Natürlich kannst du dir auch Geschichten ausdenken, die so nie passiert sind, um die Menschen zu beeindrucken. Aber all diese Dinge, werden dir nie wirklich weiterhelfen, weil sie nicht nachhaltig sind. Sie erfordern ständige Aufmerksamkeit und Energie. Vergiss sie und konzentrier dich lieber darauf, du selbst zu sein.

Falls du jetzt denkst, dass es paradox ist, dass ich dir rate, du selbst zu sein, obwohl es in diesem Artikel darum geht, was du alles anders machen kannst, dann hast du etwas wichtiges noch nicht begriffen.

Du wurdest mit allen Fähigkeiten geboren, soziale Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Der einzige Grund, wieso du das bisher nicht konntest, ist, weil deine Angst dich gefangen hält. Diese Unsicherheit hat nichts mit deinem Charakter zu tun. Sie ist lediglich ein Produkt einer schlechten Vergangenheit, die dich in deiner Gegenwart sabotiert. Die Idee dieses Artikels ist, dass du diese unnatürliche Unsicherheit hinter dir lassen sollst und der Mensch wirst, der du eigentlich bist.

Lifehacks für Vollidioten: Äußere Probleme

Wenn du weniger langweilig sein willst, reicht es, an deinen inneren Problemen zu arbeiten. Doch diese Dinge brauchen ihre Zeit.

Deshalb ein paar konkrete Ideen, die du direkt umsetzen kannst.

Konzentriere dich auf Emotionen

Was macht eine gute Geschichte aus? Das, was passiert oder das, was wir dabei fühlen?

Daten, Fakten und Zahlen sind für eine gute Geschichte irrelevant. Den größten Fehler, den du also machen kannst, ist es, dich auf das zu konzentrieren, was passiert ist, wenn du aus deinem Leben berichtest.

Wenn du deine Zuhörer mitreißen willst, dann musst du sie auf einer emotionalen Ebene packen. Ein guter Anfang ist zu berichten, wie du dich gefühlt als, als dir etwas passiert ist. Im nächsten Schritt kannst du versuchen mit Stimme und Körpersprache genau diese Gefühle widerzuspiegeln und zu transportieren.

Deshalb spielt ein guter Geschichtenerzähler immer mit Stimme, Gestik und Mimik.

Fakten schaffen Wissen.

Emotionen schaffen Verbindung.

Was willst du schaffen?

Hinweis: Achte auf den Kontext. Nicht jede Emotion passt zu jeder sozialen Interaktion und nicht jeder Mensch spricht auf jede Emotion an. Tendenziell würde ich dir aber raten, lediglich auf professionellen Veranstaltungen (Network Treffen, Tagungen etc.) darauf zu achten. Auf „privaten“ Veranstaltungen kannst du getrost darauf scheißen, wenn deine Emotionen nicht auf Zustimmung treffen sollten.

Mache deinen Gesprächspartner zum King (oder zur Queen)

Der Fokus deines Gespräches sollte immer dein Gegenüber sein. Finde nicht nur heraus, was sie denkt, sondern auch, was sie fühlt. Es ist cool zu wissen, was sie für einen Job hat, viel wichtiger ist aber, wie sie sich dabei fühlt. Was macht ihr daran Spaß, was nicht? Was motiviert sie, morgens aufzustehen?

Durch kluge Fragen findest du heraus, welche Emotionen ihr teilt, welche Sorgen euch verbinden und welche Hoffnungen euch antreiben. Du findest eine gemeinsame Basis und schenkst ihr gleichzeitig das, was sich jeder Mensch wünscht:

Ernst genommen zu werden.

Pro-Tipp 1: Während dein Gegenüber spricht, nicke dreimal kurz und schnell hintereinander. Dies signalisiert, dass du mehr hören willst. Klingt furchtbar bescheuert, funktioniert aber. Wissenschaftlich bewiesen und von mir getestet. 2

Pro-Tipp 2: Der einfachste Weg, einem Menschen Interesse zu signalisieren, ist, sich wirklich für ihn zu interessieren.

Achte auf deine Körpersprache und Mimik

Sobald wir Fremden begegnen, stellt sich unser Gehirn eine Frage: Freund oder Feind?

In unserer zivilisierten Gesellschaft ein überholtes Konzept, dennoch tief in uns verankert. Andere analysieren unsere Körpersprachen in Sekundenbruchteilen und entscheiden, ob wir ihnen sympathisch oder unsympathisch sind.

Achte auf eine offene, freundliche Körpersprache. Drehe deinen Körper zu den Menschen, mit denen du dich unterhältst und achte darauf, dass deine Mimik nicht total entgleist und du ständig wie ein Geistesgestörter grinst.

Finde Türöffner

Die wenigsten sind abgeneigt, neue Menschen kennenzulernen. Schlussendlich haben wir alle den Drang danach, dazuzugehören, weshalb neue Bekanntschaften meist willkommen sind. Leider gibt es ein Problem.

Wir brauchen immer einen Grund, um uns zu unterhalten.

Fehlt dieser Grund, sind wir misstrauisch und glauben, dass unser Gegenüber etwas von uns will, was wir nicht hergeben wollen (In der Regel Sex oder Geld).

Das stellt dich vor die Herausforderung, dass du einen Grund finden musst, um mit Menschen ins Gespräch kommen zu können.

Ein guter Grund könnte eine Gemeinsamkeit zwischen euch sein.

Lars Amend nennt diese Gemeinsamkeiten Türöffner. Eine gemeinsame Erfahrung, die einen Einsteig in ein Gespräch bietet. Einen Grund, wieso ihr euch unterhalten solltet.

Wenn du kein sonderlich gutes Gespür für soziale Interaktionen hast, dann wird es dir schwer fallen, solche Türöffner zu finden. Tatsächlich lässt sich das aber lernen. Am besten fängst du in alltäglichen Situationen an, deine Umgebung zu beobachten und die Menschen zu studieren. Was tun sie, worüber sprechen sie, was sind ihre Hobbies?

Je besser du Menschen verstehst, desto leichter wird es dir fallen, Gemeinsamkeiten zwischen ihnen und dir zu finden. Wenn du das schaffst, ist dir immer ein Gesprächseinstieg sicher. 3

Lerne wie Small Talk funktioniert und dann scheiß darauf

Wenn deine sozialen Kompetenzen bei -10 sind, ist es wichtig, die Grundlagen zu beherrschen. Versuche nicht, vom Langweiler zum Superstar zu werden, sondern erst einmal, zu einem Nicht-Langweiler. Lerne wie Small Talk funktioniert und wie du oberflächlich ein Gespräch am Laufen hältst. Konzentriere dich auf die kleinen Schritte.

Wenn du diese beherrschst, bist du bereit, sie hinter dir zu lassen.

Sprich nicht über das Wetter, sondern darüber, was das Wetter mit dir macht.

Sprich nicht über deinen Job, sondern was du daran liebst.

Erzähl, welcher Film dich das letzte Mal zum weinen gebracht hat.

Sei dreist, sei verletzlich, sei laut, sei ernst, sei du selbst. 

Zeig der Welt, wer du bist.

Das wird nicht jedem gefallen, aber wen kümmert das schon.

Du hast nichts zu verlieren


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  1. The Unengaged Mind: Defining Boredom
  2. Stop Being Boring
  3. Lars Amend – Why Not? S. 92 – 96