Ich habe schlechte Nachrichten. Wir wurden verarscht. All die Bücher, Artikel und Selfies mit Gandhi-Zitaten darunter haben gelogen. Niemand von uns kann glücklich werden. Und wenn wir nicht durchdrehen wollen, müssen wir aufhören, es zu versuchen.

Es ist komisch, diese Worte auf einem Personal Development Blog zu lesen. Die meisten Leser suchen hier nach Anleitungen, die sie in 4 Wochen zum Internetmillionär machen oder ihnen helfen irgendeine der Kardashians flachzulegen. Aber keinesfalls eine deprimierende Erklärung, dass unsere Idee von Glück eine Lüge ist.

Wäre das nicht schlimm genug, habe ich noch die Weitsicht eines wütenden Teenagers und eine infantile Vorliebe für das Wort „Ficken“. Du siehst, vermutlich bin ich der unqualifizierteste Typ, den es für diesen Job gibt.

Aber irgendeiner muss ihn ja machen.

Also fangen wir an.

Glück wird überbewertet

Hand aufs Herz. Unsere Vorstellung von Glück ist scheiße. Wenn wir von Glück sprechen, sprechen wir nicht von Erleuchtung, Weisheit, Nirvana oder Erfüllung. Wenn wir von Glück sprechen, dann denken wir an ein Leben, in dem alles gut ist. In dem es keinen Schmerz, kein gedrosseltes Datenvolumen und kein Leiden gibt.

Diese Vorstellung ist mentale Selbstbefriedigung. Und wie bei echter Selbstbefriedigung müssen wir ein Maß finden. Sonst werden wir blind und bekommen haarige Hände. Außerdem sabotiert es auch unser reales Leben.

Wir wünschen uns ein Leben frei von Problemen, leben aber gleichzeitig in einer Welt, die wenig anderes bereithält. Kein Wunder, dass es uns beschissen geht.

Deshalb mein Vorschlag: Lasst uns aufhören, glücklich sein zu wollen. Oder zumindest aufhören das sein zu wollen, was wir unter „glücklich sein“ verstehen.

Wir haben wenig zu verlieren, denn bisher hat es ja nicht sonderlich gut geklappt, oder?

Ein gutes Leben braucht gute Probleme

Menschen (und Veganer) benötigen die Befriedigung der Jagd.1 Soll heißen, jeder Mensch braucht etwas, dem er hinterherrennen kann. Wollen wir also aufhören, unserem Glück hinterherzurennen, brauchen wir zwangsläufig neue Beute. Was könnte das sein?

Wie so oft findet sich die Antwort im amerikanischen Gangster-Rap der 90er. Vier Worte brauchte Notorious B.I.G., um zu zeigen, dass die Jagd nach Glück keinen Sinn ergibt. Er drückte es wie folgt aus:

Mo Money, Mo Problems

Big Poppa hatte alles. Erfolg, Macht, Ruhm. Ein einfacher Junge aus Brooklyn, der dem Ghetto entfloh und mit Anfang 20 zu einer lebenden Legende wurde. Und dennoch jeden Morgen in einem Leben voller Probleme aufwachte.

Geld erschien Biggie Smalls immer wie die Antwort auf seine Probleme. Doch er merkte schnell, dass mehr Geld lediglich zu mehr Problemen führte. Wieso hat er sein Geld dann nicht aufgegeben und ist in sein altes Leben, mit weniger Problemen zurück?

Weil nicht alle Probleme gleich sind.

Probleme sind wie Fürze. Sie sind immer irgendwie eklig, trotzdem stinken manche weniger als andere. Warum, weiß kein Mensch, ist aber auch nicht wichtig.

Genauso sind auch manche Probleme angenehmer als andere. Biggies Probleme als erfolgreicher Musiker haben weitaus weniger gestunken als seine Probleme als armer Junge aus dem Brooklyner Ghetto. Trotzdem blieben sie Probleme.

Hier meine Idee:

Statt dem Glück nachzujagen, sollten wir versuchen, unsere schlechten Probleme, durch gute Probleme zu ersetzen.

Der Unterschied zwischen guten und schlechten Problemen

Die meisten Menschen wissen nicht, dass sie es sind, die ihre Probleme bestimmen. Meistens verwechseln sie ihre Probleme mit ihrem Schicksal.

Unser Schicksal ist das, was uns passiert. Es sind die Ereignisse, denen wir machtlos gegenüber stehen. Auf die wir lediglich reagieren können. Die Reaktion, die wiederum in unserer Macht steht, ist unser eigentlich Problem.

Hier der Knackpunkt: Weil wir glauben, dass Schicksal und Probleme dasselbe sind, sehen wir nicht, dass wir schlechte Probleme durch gute Probleme ersetzen können. Wir glauben vielmehr, dass wir unseren Problemen ausgeliefert sind und lediglich unser Schicksal darüber entscheidet. Aus gutem Schicksal wachsen gute Probleme, aus schlechtem Schicksal schlechte Probleme. Tatsächlich liegt es aber allein an uns, ob aus unserem Schicksal gute oder schlechte Probleme wachsen.

Was unterscheidet gute von schlechten Problemen?

Ob Probleme gut oder schlecht sind, lässt sich an den Konsequenzen erkennen. Sabotieren sie unsere Beziehungen, halten sie uns in Endlosschleifen aus Selbstmitleid gefangen oder zwingen sie uns ständig in der Vergangenheit oder der Zukunft zu leben, aber nie im Jetzt? Dann sind es schlechte Probleme.

Die letzten Zeilen lassen es so wirken, als ob es kinderleicht sei, schlechte Probleme zu erkennen. Das ist es nicht. Oft müssen wir enorm viel Zeit verschwenden und Schmerzen leiden, bis wir erkennen, dass unsere Probleme (unsere Art unser Schicksal zu verstehen) schlecht für uns sind. Ein unangenehmer Prozess für den es leider keine Abkürzung gibt. 

Als meine erste Beziehung in Flammen aufging, habe ich mir geschlagene zwei Jahre (!) folgende Frage gestellt: „Was, wenn ich es anders gemacht hätte?“ Ich gab mir die Schuld am Scheitern der Liebe und in dieser Zeit kreisten meine Gedanken und Emotionen ausschließlich um die Beziehung und meine Exfreundin. Mein Schicksal war, dass die Beziehung zu Bruch ging. Mein Problem die Frage, was ich hätte anders machen können.

Reflexion ist wichtig, aber diese Frage war Gift. Sie hat mich in der Vergangenheit gefangen und mit hypothetischen Wunschvorstellungen bei Laune gehalten. Ich konnte an meinem Schmerz nicht wachsen und jegliche Bindung zu anderen Frauen waren zum Scheitern verurteilt. Ich allein hatte mich für dieses Problem entschieden und meine Wahl war beschissen.

Hätte, Hätte, Fahrradkette – Unbekannt

Ein besseres Problem für mein Schicksal wäre gewesen, mich zu fragen, wie ich über den Schmerz hinwegkommen könnte. Oder wie ich ein besserer Freund werden könnte.

Doch Probleme bleiben Probleme bleiben Probleme. Ob sie nun gut oder schlecht sind. Sie bleiben schwer. Doch wenn sie schon zum Leben dazugehören, wieso entscheiden wir uns dann nicht für Probleme, die uns helfen zu wachsen? Sollten wir uns nicht lieber für Mo Money-Probleme entscheiden als für Probleme, deren einziges Ergebnis schlaflose Nächte und Selbstverachtung sind?

Natürlich sollten wir das. Aber wie ich bereits geschrieben habe, ist es lächerlich hart, den Unterschied zu erkennen.

Deshalb habe ich ein paar Denkanstöße vorbereitet.

Verletzte Gefühle sind irrelevant

Gefühle machen uns verwundbar und wer verwundbar ist, der wird auch verwundet werden. Die Welt ist voller unausstehlicher Menschen und egal wie stark du bist, irgendjemand wird dich früher oder später verletzen, einfach weil ihr beide Menschen seid.

Unser Schicksal ist es, emotional verletzt zu werden.

Dazu gibt es drei passende Probleme.

Das einfachste Problem ist gleichzeitig das beliebteste und das, mit den schwerwiegendsten Konsequenzen. Es ist das Verlangen nach einem Recht auf emotionale Unversehrtheit. Das Verlangen, dass die Welt dich nie wieder verletzt.

Ich will nicht zu stark mit Kacke um mich schmeißen, denn ich verstehe dieses Verlangen. Verletzte Gefühle sind zum Kotzen. Sie sind unangenehm, schmerzhaft und machen das Leben unnötig kompliziert. Zu wollen, dass unsere Gefühle nie verletzt werden, ist das normalste der Welt.

Doch so wie es normal ist, ist es auch dumm. Denn es ist ein Verlangen, dass nicht erfüllt werden kann. Niemals. Die Welt wird niemals ein überdimensionaler Safe Space für all unsere fragilen Nervenkostüme werden können. Schlicht und ergreifend, weil unsere Gefühle immer einen Grund finden werden, verletzt zu sein.

Emotionen sind nicht so wichtig und bedeutend, wie sie sich anfühlen. Tatsächlich sind sie irrational, subjektiv, unberechenbar und wenn wir ehrlich sind, meistens nicht einmal für uns selbst nachvollziehbar. Sie sind wie der kleine Wichser aus Game of Thrones der König geworden ist und allen auf die Nerven ging. Die Frage ist: Soll jemand wie er über dein Leben bestimmen?

Natürlich können wir uns unseren Gefühlen unterwerfen und in ihrem Namen gegen die Welt ziehen. Schlussendlich macht das uns aber zu Sklaven eines irrationalen Tyrannen. Er wird uns versprechen, dass irgendwann alles gut sein wird, aber das wird es nie. Er wird immer neue Gründe finden, uns zu manipulieren, auszunutzen und alles zu zerstören, was wichtig ist. Denn das ist, was ein Tyrann machen tut.

Das zweite Problem ist der Gegenentwurf dazu. Es verleugnete unsere Emotionen komplett, nach dem Motto: Wenn ich mir die Augen zuhalte und das Monster nicht sehe, kann es mich auch nicht fressen. Was nicht da ist, kann nicht verletzt werden.

Ich mach es kurz. Das ist noch ein bisschen dümmer als das erste Problem. Es macht uns krank und widerspricht unserer Natur. Nicht empfehlenswert.

Das dritte und bessere Problem versucht, unsere Verwundbarkeit weder zu ignorieren, noch zu bekämpfen. Stattdessen ist es ein Versuch der Akzeptanz.

Verletzte Gefühle zu akzeptieren, bedeutet, sie zu sehen, aber nicht zu bewerten. Das macht den Schmerz nicht erträglicher, doch darum geht es auch nicht. Es geht darum, zu erkennen, dass wir weder unser Schmerz, noch unsere Gefühle sind. Wir sind mehr und deshalb gibt es keinen Grund, sich einem kleinen Teil unseres Wesens zu versklaven.

Aber nur, wenn wir uns dafür entscheiden.

Wir können nicht immer recht haben

Unvorstellbar. Ich weiß. Aber ob wir es uns vorstellen können, oder nicht: Unser aller Schicksal ist, dass wir fehlbare Wesen sind. Auch du und ganz besonders Ich.

Zu diesem Schicksal gibt es zwei Probleme. Entweder wir passen die Welt unseren falschen Vorstellungen an, oder wir passen unsere falschen Vorstellungen der Welt an. Das letzte nennt sich Lernen, das erste ein Vollidiot sein.

Menschen die sich für ersteres entscheiden, sind leicht erkennbar. Sie werden wie Kinder, sobald ihre Ideen in Frage gestellt werden. Ihnen ist es unmöglich Kompromisse einzugehen, sie argumentieren defensiv, neigen zu extremen Überzeugungen und schlussendlich rauben sie jeder Auseinandersetzung das Potential, dass die Beteiligten an ihr wachsen. Diskussionen mit ihnen sind nichts weiter als Energieverschwendung, weil es nicht ihr Ziel ist, eine Lösung zu finden, sondern lediglich ihren Standpunkt zu verteidigen.

Entscheiden wir uns für dieses Problem, können wir nicht wachsen. Wir sind von unserer eigenen Richtigkeit überzeugt und sehen keinen Grund, zu lernen. Schließlich sind wir bereits unfehlbar.

Dummheit ist nicht schlimm. Schlimm ist nur, die eigene Dummheit anzubeten.

Das bessere Problem ist, die eigene Fehlbarkeit anzuerkennen. Zu akzeptieren, dass wir abstrusen Denkmustern zum Opfer fallen und in höchsten 50% aller Fälle recht haben können.

Es ist nicht einfach, im Hinterkopf den Gedanken zu behalten, dass wir Unrecht haben könnten. Gelingt uns das aber, dann werden sich unsere Auseinandersetzungen verändern. Es wird in ihnen nicht mehr darum gehen, unseren Standpunkt zu verteidigen, sondern, den richtigen Standpunkt zu finden.

Bei Positive Vibes Only muss ich kotzen

Bereit für etwas Weisheit?

Schlechte Dinge fühlen sich schlecht an, weil sie schlecht sind.

BOOM!

Schlechte Gefühle, Erlebnisse, Erfahrungen und Personen sind scheiße, weil sie uns nicht gut tun und sie tun uns nicht gut, weil sie scheiße sind. Sie bedeuten Schmerz, Leid, Unglück und wir versuchen alles, um sie aus unserem Leben zu verbannen.

Doch das können wir nicht, denn so funktioniert das Leben nicht. Gute Momente sind deshalb gut, weil sie keine schlechten Momente sind. Das Eine kann ohne das Andere nicht existieren. Das Eine ergibt ohne das Andere keinen Sinn.

Wollen wir also gute Dinge erleben, ist es unser Schicksal, schlechte Dinge zu erleben.

Das einfache Problem ist der Versuch, dieses Schicksal zu ändern. Ein Leben zu gestalten, dass frei von schlechten  und dafür voller guter Dinge ist.

1952 nannte Norman Vincent Peale das die Kraft des positiven Denkens und gehört damit zum gleichen menschlichen Bodensatz wie alle Wohlfühl-Blogger die es heute Positive Vibes Only nennen.

Positive Vibes Only ist eine Flucht vor der Realität. Sie sperrt schwierige Emotionen aus und bricht das Leben stattdessen auf eine Ansammlung von Kalendersprüchen, Pseudo-Weisheiten und wundervoll inszenierten Selfies herunter unter denen alle kommentieren, wie schön wir sind.

Dem Leben wird die Tiefe geraubt und das nicht ohne Konsequenzen. Das Leben ist mehr als ein Schaufenster voller Yoga, grünen Smoothies und guten Gefühlen. In uns allen existieren dunkle und schlechte Seiten. Niemand verlangt, dass sie die Oberhand gewinnen, verleugnen wir sie aber und opfern sie den positiven Vibes, opfern wir uns nur selbst.

Deshalb ist das bessere Problem, die schmerzhaften Facetten des Lebens neu zu interpretieren.

Lange Zeit habe ich mich gegen meine Wut gewehrt. Sie ist destruktiv, egoistisch und hatte zu viel Kontrolle über mein Leben. Als mir die Konsequenzen meiner Wut bewusst wurden, verschrieb auch ich mich den positiven Vibes. Ich begann, schlechte Gedanken auszusperren.

Meine Wut ist hässlich, aber sie auch ein Teil von mir. Ich kann sie nicht aussperren und mein Leben stattdessen mit Emotionen füllen, die sich besser anfühlen. Tue ich das, werde ich zu einer oberflächlichen Hülle. Es raubt mir und den Beziehungen in meinem Leben die notwendige Tiefe.

Deshalb habe ich es mir zum Problem gemacht, sie zu akzeptieren. Doch nur weil ich sie als Teil von mir akzeptiere, muss ich nicht nach ihr handeln. Ich kann sie in mein Leben lassen, ohne, dass ich zulasse, wie sie alles kurz und klein schlägt.

Natürlich wäre es einfacher, wenn ich nicht so ein Vollidiot wäre. Aber der bin ich nun einmal. Das ist mein Schicksal. Und entweder ich akzeptiere es, oder opfere meine schlechten Seiten dem Drang nach guten Gefühlen, wobei ich schussendlich mein Leben wegwerfe.

Schlechter Deal.

Das Leben ist Krieg, egal was Soziologie-Studenten sagen

Wir lieben unsere Partner, Freunde, Familie und Mitmenschen. Und doch werden wir immer in Konkurrenz zu ihnen stehen. Wir sind biologische Wesen und unser Schicksal ist es, der Evolution unterworfen zu sein. Das bedeutet, dass wir bis ans Ende unseres Leben konkurrieren werden. Selbst mit denen, die uns nah sind.

Das schlechte Problem zu diesem Schicksal ist es, sich dem Wettbewerbsdruck hinzugeben. Sich zu vergleichen, seine Mitmenschen auszustechen und sich an die Spitze der sexuellen Begehrtheit zu boxen. Wortwörtlich und im übertragenen Sinne.

Menschen die dieses Problem gewählt haben existieren nur im Verhältnis zur ihrer Umwelt. Ihre Erfolge und Errungenschaften stehen nie für sich, sondern immer nur im Vergleich zu den Menschen um sie herum. Ein Haus ist nur so lange schön, solange es das größte der Nachbarschaft ist.

Früher war das nicht schlimm. Damals kannten wir maximal 100 Menschen persönlich und ab und zu haben wir welche im Fernsehen gesehen. Wir konnten uns nur mit einer überschaubaren Menge an Menschen vergleichen und das lies uns gut schlafen.

Heute ist das anders. YouTube, Facebook und Instagram haben die Welt zu einem Dorf verkommen lassen. Obwohl es riesig ist, ist es dennoch überschaubar. In unserem Umfeld existieren nicht mehr 100 Menschen, sondern 100.000.000. Das raubt uns den Schlaf.

Egal was wir tun, wir finden immer jemanden, der es besser, außergewöhnlicher und jünger getan hat als wir selbst. Wir können immer noch gut werden, doch im Vergleich zu anderen nicht mehr herausragend. Machen wir es zu unserem Problem, mit diesem neuen Konkurrenzdruck mithalten zu wollen, dann wird dieses unser Selbstwertgefühl ersticken.

Ein besseres Problem, ist es, den Grund für unseren Drang nach Konkurrenz zu verstehen und ihn abzulehnen.

Wir müssen Frieden mit unserer Durchschnittlichkeit schließen. Akzeptieren, dass es nicht unsere Außergewöhnlichkeit ist, die uns liebenswert macht, sondern allein die Tatsache, dass wir Menschen sind.

Dabei geht es nicht darum, aufzuhören an sich selbst zu arbeiten oder erfolgreich sein zu wollen. Wovon ich spreche ist, die Motivation hinter diesen Dingen zu ändern. Statt gegen andere zu kämpfen und durch den Drang nach Wettbewerb angetrieben zu werden, sollten wir beginnen, Dinge aus Mitgefühl zu tun. Oder weil es unsere Bestimmung ist. Oder weil sie richtig sind.

Die Frage ist, was für ein Leben du führen willst. Eins voller Motivation oder eins voller Frieden?

Was nicht kaputt ist, muss nicht repariert werden

Jetzt wird es abgefahren.

Bereit?

In uns allen herrscht Leere und mit dieser Leere kommt Verlangen, sie zu füllen.

Das ist unser Schicksal.

Wir glauben, dass diese Leere ein Produkt unserer Unvollständigkeit ist. Unserer Schmerzen, Traumata, Enttäuschungen. Wir glauben, dass wir kaputt seien und deshalb repariert werden müssten.

Warum sind wir sonst leer?

Wir machen es zu unserem Problem, uns zu reparieren.

Es gibt viele Wege das zu tun. Yoga, Meditation, Religion, Karriere, Wrestling-Profi werden, Familie, Macht, Ruhm, gemeinnützige Arbeit.

All diese Dinge geben unserem Leben Erfüllung. Manche oberflächlich, manche tiefgründig, aber immer lassen sie uns glauben, dass sie unsere Wunden heilen, Lücken füllen und Risse kitten würden. Wir tun, machen, handeln, lernen, entwickeln, immer in dem Glauben, dass wir endlich die quälende Leere in uns füllen könnten. Dass wir eines Tages aufwachen und uns vollständig fühlen werden.

Ich habe alle Phasen durch. Anfang 20 wollte ich die Leere durch Geld füllen, also wurde ich zum BWL-Wichser. Mit 23 wollte ich die Leere durch Sex füllen, also wurde ich zum Herzensbrecher. Vor einem Jahr wollte ich die Leere durch Weisheit füllen, also wurde ich zum Personal Development Blogger. Manche Zeiten waren besser als andere, aber immer waren sie eine Qual.

Denn immer glaubte ich, dass mir das, was ich tat, dabei helfen würde, Erfüllung zu finden. Doch diese Erfüllung kam nie. Die Leere verschwand nicht. Statt mein Vorgehen zu hinterfragen, hetzte ich einfach weiter. Die Antworten blieben jedoch unbefriedigend.

Es war ein schlechtes Problem und bis heute fällt es mir schwer, das zu ändern.

In Ending the Pursuit of Happiness bin ich dann auf eine interessante Frage gestoßen.

Was, wenn wir nicht kaputt sind? Was, wenn diese Leere in uns nie dazu gedacht war, gefüllt zu werden?

Diese Frage brachte mich zu einem besseren Problem.

Die Leere zu akzeptieren.

Wenn wir es zu unserem Problem machen, uns zu reparieren, können wir niemals Frieden finden. Nicht weil es diesen Frieden nicht gibt, sondern, weil das, was wir als kaputt begreifen, nie kaputt gewesen ist.

Die Leere in uns ist kein Fehler. Wie die Leere einer Tasse ist sie eine Eigenschaft, die uns nützlich macht.

Unsere Leere ist kein Mangel der behoben werden muss. Kein Riss, der Kitt benötigt. Sie ist vielmehr Ausdruck, dass wir lediglich in diesem Moment leben. Dass wir nichts wirklich besitzen und nicht das sind, was wir glauben zu sein.

Ich weiß, wie sich das anhört. Wie esoterischer Bullshit-Hokuspokus. Mir geht es aber weder um dein Herzchakra, noch darum, wie du deine Kristalle bei Vollmond aufladen kannst. Was ich vorschlage ist, dass wir aufhören zu suchen und stattdessen beginnen, zu sein.

Alles andere bedeutet dem Leben dem Versuch zu opfern, eine Leere zu füllen, die nicht gefüllt werden kann. Nicht gefüllt werden muss. Wenn unsere Taten und Gedanken kein Produkt eines freien Willens, sondern das eines Verlangens nach Erfüllung sind, können wir niemals frei sein. Oder ruhig schlafen.

Das bedeutet nicht, dass wir aufhören sollen zu lernen oder zu wachsen. Es bedeutet auch nicht, dass du, wenn du unter seelischen Traumata leidest, dir keine Hilfe suchen solltest. Es bedeutet lediglich, dass wir der Leere nicht entkommen können und deshalb aufhören müssen, es dennoch zu versuchen.

Tun wir das nicht, wird unser Leben eine Flucht bleiben. Wir können durch gute Dinge fliehen (Erfüllung, Religion, Familie) oder durch schlechte Dinge (Karriere, Drogen, Sex), Am Ende macht es aber wenig Unterschied. Ein Leben auf der Flucht bleibt ein Leben bestimmt von Angst.

Die Alternative heißt, die Angst zu überwinden. Aufzuhören jemand werden zu wollen und stattdessen der zu sein, der wir längst waren.

Am Anfang diesen Artikels habe ich gesagt, dass niemand von uns glücklich werden kann. Damit meinte ich, dass wir nicht glücklich werden können, weil wir eine falsche Vorstellung von dem haben, was glücklich sein bedeutet.

Doch diese Vorstellung können wir ändern. Weg von der Idee eines Lebens ohne Probleme, hin zu einem Leben frei vom Verlangen unsere Leere füllen zu müssen. Es gibt kein schwierigeres Problem im Leben.

Aber vielleicht solltest du es genau deshalb versuchen.

Du hast nichts zu verlieren.


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  1. Nir Eyal – Hooked